
Paulus Modestus SchückingGeboren
am 13. 3. 1787 in Münster, gestorben am 16. Juni 1867 in Bremen. Paulus
Modestus Schücking (Paul Nicolaus Bernhard Joseph, genannt Modestus) war ein
Sohn des Hofgerichtspräsidenten Chritoph Bernhard Maria Schücking (geb. 19.
6. 1748, gest. 17. 7. 1826) und dessen Ehefrau Margarethe Hermine Schmitjan
(geb. 20. 7. 1753, gest. 6. 4. 1813). Die Schückings sind ein uraltes
Geschlecht, das im Bürgerbuch der Stadt Coesfeld bereits im 14. Jahrhundert als
ritterbürtige Patrizier erscheint und zu hohem Ansehen kam. Paulus Modestus Schücking
heiratete am 7. 10. 1813 die damals in Westfalen und darüber hinaus recht
bekannte Dichterin Catharina Busch. Das Paar hatte sechs Kinder. Nach dem frühen
Tod seiner ersten Frau Catharina heiratete Paulus Modestus am 25. 10. 1832 die
aus Osnabrück stammende Anna Gesina Sophia Ottilia Brück (geb. 13. 12. 1807,
gest. 13. 8. 1850). Nach Besuch des Gymnasiums Paulinum in Münster ging Schücking
von 1806 bis 1809 einem Studium der Rechte an der Universität Münster nach. Ab
1809 war er Advokat am Herzoglich Arenbergischen Tribunal in Meppen, seit 1810
dann in Haselünne, ab 1811 Kaiserlich Französischer Friedensrichter des
Kantons Wesuwe und Arrondissementrat von Neuenhaus. Am 1. Januar 1815 wurde er
Richter der Königlich Hannoverschen Justizkommission für den Hümmling in
Sögel,
wo er außerdem ab 1828 als Herzoglich Arenbergischer Amtmann wirkte. Als junger
Richter und Amtmann entfaltete er bald, unterstützt von seiner Frau Catharina
Busch, eine segensreiche Tätigkeit im Amte Hümmling, deren Spuren bis auf den
heutigen Tag noch überall zu sehen sind. Er sorgte u. a. für den modernen
Ausbau der Postverbindungen, neue Straßen, Kirchen- und Schulneubauten. Ungewöhnlich
auch sein soziales Engagement bei den in tiefer Armut lebenden Moorkolonisten.
Auf Schückings Initiative wurden zahlreiche Mühlen und Alleen, Verwaltungsgebäude
(Ludmillenhof) und der bekannte Amtsbrunnen in Sögel gebaut. Sein Einsatz für
eine verbesserte ärztliche Versorgung der Bevölkerung stieß auf erhebliche
Widerstände und führte letztlich zu Intrigen von interessierter Seite und
seiner Entlassung aus dem Amte. Kurz vor seiner Entlassung 1836 entschied sich
die Regierung für die Zulassung eines zweiten Arztes im Hümmling. Schücking
hatte sich schon während seiner Zeit in Sögel mit Religionsfragen beschäftigt
und dabei die historischen Hintergründe scharfsinnig, angelehnt an die
Philosophen Kant und Hegel sowie dem Theologen Georg Hermes beleuchtet. Vom preußischen
König wurde er 1838 für sein Werk „Krone und Tiara“ ausgezeichnet.
Allerdings war der durch die hermesinaische Theologie geprägte Richter,
Amtmann, Philosoph und Literat Paulus Modestus Schücking seiner Zeit wohl weit
voraus. Er stritt in seinen Schriften, die z. T. auch unter dem Pseudonym Ludger
von Darfeld erschienen, für mehr Toleranz bei und zwischen den beiden großen
Konfessionen. Der Amtmann propagierte die Legalisierung gemischtkonfessioneller
Ehen und zog gegen manche Dogmen zu Felde, die er als gegen die Vernunft
bezeichnete. Schückings Denken und Handeln, geprägt von den großen deutschen
Philosophen, musste – gepaart mit seinem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn –
in dieser Zeit immer wieder auf vehementen Widerstand stoßen. Obwohl sich große
Teile der Bevölkerung mit ihm solidarisierten, wurde ihm am 26. 1. 1836 der
Prozeß gemacht. Der Arzt, dem Schücking einen Konkurrenten an die Seite
gegeben hatte, spielte hierbei eine wesentliche Rolle. Die genannten Zeugen und
die vage Urteilsbegründung lassen den Schluß zu, dass hier ein unbequemer
Geist mundtot gemacht werden sollte. Schücking war auch wohl selber bereits
zermürbt von all den Intrigen, gab auf und wanderte, nach einer kurzen
Zwischenstation in Münster, in die USA aus. Hier betätigte er sich zunächst,
ebenso wie Sohn Alfred Schücking, als Lehrer und Herausgeber von Zeitschriften
(z. B. Schückings Intelligenzblatt), berichtete als Korrespondent über die
Verhältnisse in den USA für deutsche Zeitungen, kehrte aber bereits 1840 nach
Deutschland zurück und blieb in Bremen, wo er sich fortan als freier Literat
und Historiker betätigte. Hier entstanden zahlreiche religionsphilosohische und
historische Werke. Werke:
Krone und Tiara, Münster 1838 – Die Friedhöfe zu Bremen,
o. J. – Die Messiasweihe im Jordan, o. J. – Hussens Rache, o. J. – Abt
Joachim von Badia di Fiore, o. J., etc. Veröffentlichungen
in: New Yorker
Staatszeitung – Schückings Intelligenzblatt – Bremer Bürgerfreund – Kölnische
Zeitung – Der Auswanderer (USA) – Allgemeine Zeitung (Augsburg), etc., u. a.
umfassende Studien über die sozialen und politischen Verhältnisse in den USA
und die Situation der Auswanderer dort. Übersetzungen:
aus dem Lateinischen, Französischen, Englischen, z.
B.: Seneca: Von der Standhaftigkeit der Weisen, oder: Daß den Weisen Unglück
und Beleidigung nicht treffen. Erwähnungen
in: Levin
Schücking:
Lebenserinnerungen, Leipzig 1886 – Westfälisches Autoren-Lexikon, Bd. 1, S.
354 – 355 – Schücking-Jahrbuch, Bd. 1 und 2, 1997/98 und 1999/2000 –
Klara Weber: Katharina Schücking, ein Lebens- und Erziehungsbild aus dem Anfang
des 19. Jahrhunderts (Dissertation), 1918 – Heinz Thien: Das bewegte Leben der
Catharina Busch, Ostenwalde 1993 – Heinz Thien: Da bin ich nun in Meppen, am
Ziel meiner Wünsche und Hoffnungen, Meppener Tagespost, 19. 1. 1996 – Dr.
Susanne Amrain: Veilchen suchen im Oktober, Festvortrag zur Eröffnung des Schücking-Museums
am 25. 5. 1997 – Heinz Thien: Catharina Busch verstummte nicht im öden
Emsland..., Schücking-Jahrbuch, Bd. 2, 1999/2000 – Zahlreiche Erwähnungen in
der Droste-Rezeption – Hauschronik der Familie Schücking, 1862 – Westf.
Geschlechterbuch, 1970/S. 288 – Droste-Jahrbücher – Steinbicker: Schücking,
ein westfälisches Geschlecht in seiner sozialen Entwicklung, 1974, etc. Gedenkstätten:
Schücking-Museum,
Sögel. Sammlungen:
Schücking-Museum,
Sögel, - Archiv Thien, Sögel -
Westfälisches Landesmuseum, Münster. |